Sachen die mich beschäftigen
Bagatellkündigungen
Ich habe heute diesen Artikel auf Spiegel.de gelesen und er hat mich beim Lesen zunehmend wütend gemacht. Nicht weil er unwahr oder schlecht ist, sonder weil mich die dort geschilderten Verhaltensweisen sauer machen. So heißt es dort unter anderem:
…Jetzt, im Alter von 58 Jahren, ist er plötzlich arbeitslos. Die norddeutsche Großhandelsfirma Citti hat ihn gefeuert, weil er aus einem zu Bruch gegangenen Karton eine Milchschnitte gegessen hatte.
Der süße Snack kostet im Supermarkt 26 Cent…
…Ein Oberhausener Industriearbeiter sollte den Laufpass bekommen, weil er sein Handy an einer Steckdose der Firma auflud – was einen Schaden von 0,014 Cent verursachte.
Eigentlich könnte man darüber lachen oder an einen schlechten Scherz glauben. Aber offensichtlich ist ein solches Verhalten kein Einzelfall und Realität in Deutschland 2009. Vor zwei Wochen wird beim Tod von Robert Enke noch von mehr Verständnis und Fairness im Sport und generell gesprochen. Offensichtlich ist das nicht überall angekommen. Und wie passen Millionen Abfindungen für Manager in das Bild? Für Manager, die scheinbar teilweise über ein nicht unbeträchtliches Maß an krimineller Energie verfügen. Aber ich vermute in diesen Kreisen und Ebenen heißt das anders. Dort wird ein solches Verhalten wohl mehr als Clever angesehen. Spontan fällt mir da Siemens ein. Aus Wikipedia über Klaus Kleinfeld:
Seit Ende 2006 befand sich Siemens im Zentrum einer aufsehenerregenden Schmiergeldaffäre mit einem Umfang von mindestens 1,5 Milliarden Euro. Kurz vor Weihnachten 2006 musste Kleinfeld gegenüber der „Financial Times“ zugeben, bereits seit Ende Januar von den Schmiergeldkonten gewusst zu haben, zudem sei er bereits bei der Durchsuchung von Siemens-Büros Mitte November von einem Zusammenhang ausgegangen.
Geschadet hat es ihm aber nicht. Offensichtlich war das wohl fast sowas wie eine Empfehlung, denn inzwischen ist er CEO bei ALCOA. Immerhin der weltweit zweitgrößte Produzent von Aluminium mit einem Umsatz im Jahr 2007 von 30,75 Mrd. Dollar. Wir leben schon in einer komischen Welt.
Ich wette kein Arbeitgeber wehrt sich dagegen wenn ein Arbeitnehmer länger Arbeitet und dies nicht “aufschreibt” oder andere zusätzliche Arbeiten macht zum wohle der Firma. Aber es ist natürlich etwas ganz anderes wenn es um 26 Cent für einen Milchschnitte oder 0,014 Cent für Strom geht. Einzusehen das man dann mit der ganzen Härte des Gesetzes vorgeht. Wo bleibt da der gesunde Menschenverstand. Gibt es sowas nicht mehr? Uncool in der Zeit von Geiz ist geil? Und wieso ist das Recht so unterschiedlich bei einem einfachen Arbeiter / Angestelltem und einem Top Manager. Eigentlich sollte es da doch keine Unterschiede geben. Oder hängt recht haben und recht bekommen letztlich doch vom Anwalt und damit vom Geldbeutel ab?
| Beitrag drucken | Dieser Eintrag wurde von Nordholzer am 3. Dezember 2009 um 23:12 geschrieben, und ist in die Kategorie Gedanken eingeordnet. Alle Kommentare zu diesem Beitrag kannst Du per RSS 2.0 verfolgen. Du kannst eine Antwort schreiben oder einen Trackback von deiner eigenen Seite hinterlassen. |

vor 8 Monaten
Naja, irgendwie verstehe ich die Arbeitgeber schon. Wo und bei wieviel soll man denn die Grenze setzen?
Diebstahl ist Diebstahl – egal obs 1 Cent oder 100 Euros kostet.
Aber natürlich sollte man auch überlegen, obs nicht überzogen ist, wegen einer Milchschnitte (die sowieso in den Müll wandert) einen guten Mitarbeiter zu feuern.
vor 7 Monaten
Sorry, deine beiden Kommentare sind irgendwie als Spam erkannt worden und ich habe das erst heute gesehen. Schande über mich. Ich hoffe du verzeihst mir das noch einmal
vor 7 Monaten
Wobei es dann wohl auch die Frage ist ob es sich da um einen guten Mitarbeiter gehandelt hat. Offensichtlich scheinen diese Kündigungen ja ein Mittel zu sein, Mitarbeiter los zu werden bei denen es anders noch nicht geklappt hat.
Vermutlich auch ein Problem an der Sache ist, das man nur eine Seite in den Medien hört und dadurch ein Zerrbild entsteht. Das ist jedenfalls mein Eindruck mit ein wenig Abstand.